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Interview
Mit Anne-Kathrine Geniets, Junge Psychosomatik SchweizSAPPM: Sie werden am Kongress einen Vortrag halten, welches ist Ihre Perspektive auf unser Fach?
Anne-Kathrine Geniets: Ich arbeite als Assistenzärztin im Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer am Universitätsspital Zürich. Die geflüchteten Menschen, die wir behandeln, haben alle schwerwiegende Gewalt in ihrem Heimatland oder auf der Flucht erlebt und kommen oft mit gravierenden körperlichen und psychischen Folgen zu uns. Die Psychosomatik bietet die Möglichkeit, diese Patient:innen ganzheitlich zu versorgen. In einer Zeit, in der chronische Erkrankungen und psychische Belastungen zunehmen, ist dieser integrative Ansatz relevanter denn je. Am Unispital Zürich können wir durch interdisziplinäre Zusammenarbeit und Forschung innovative Konzepte entwickeln und als Teil der Jungen Psychosomatik Schweiz, aktiv die Zukunft unseres Fachgebiets gestalten.
SAPPM: Die Slow Medicine fordert eine gerechtere Medizin. Welches sind die Kernerkenntnisse Ihrer Forschung zu diesem Thema?
Anne-Kathrine Geniets: Meine Forschung konzentriert sich darauf, wie eine nachhaltige und hochwertige Gesundheitsversorgung auch für benachteiligte Menschen gewährleistet werden kann. Leider bestehen noch zahlreiche systemische Barrieren, die dazu führen, dass gewisse Bevölkerungsgruppen nur eingeschränkt oder oft erst bei fortgeschrittenen, chronischen Erkrankungen Dienstleistungen in Anspruch nehmen können. Menschen aus diesen Gruppen, die das Gesundheitssystem nutzen, haben häufig komplexe gesundheitliche Bedürfnisse. Unser stark segmentiertes Gesundheitssystem erschwert jedoch eine ganzheitliche Diagnostik. Komplexe Gesundheitsbedürfnisse erfordern eine sektorübergreifende Einbindung. Nachhaltige und wirksame Lösungsansätze zur Verbesserung der Versorgung vulnerabler Bevölkerungsgruppen können nur gelingen, wenn diese Gruppen aktiv in die Reform der Massnahmen einbezogen werden.
SAPPM: Die Slow Medicine ist eine Reformströmung. Was würden Sie sich als Reformidee für die Medizin der Zukunft wünschen?
Anne-Kathrine Geniets: Im Vergleich zu anderen Ländern hinkt die Schweiz etwas hinterher, wenn es um partizipative Forschung geht, also um die aktive Einbeziehung betroffener Bevölkerungsgruppen in Forschungsprozesse und Entscheidungen im Gesundheitssystem. Am Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer sind wir daran, diese Lücke zu schliessen. Ich wünsche mir, dass es mehr Angebote gibt, die den komplexen Gesundheitsbedürfnissen ausgegrenzter Menschen gerecht werden, wie zum Beispiel Outreach-Kliniken – und, dass traumainformierte Behandlungsansätze stärker gefördert und verpflichtend eingeführt werden. Im Bereich Forschung hoffe ich, dass neben der quantitativen Forschung auch qualitative Studien in der Schweizer Medizinforschung vermehrt gefördert werden, so wie es in Ländern wie Grossbritannien oder den Vereinigten Staaten bereits üblicher ist.
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