Pierre Loeb: Die Chancen der Gruppentherapie für die psychosomatische Praxis

Gruppentherapie bietet uns die Möglichkeit, Patientinnen und Patienten sowie ihre Angehörigen und Bezugspersonen gemeinsam zu sehen und direkt miteinzubeziehen.

Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • Gruppen schaffen einen sicheren Raum, in dem Menschen sich ernstgenommen fühlen. Die Selbst- und Feedback-Erfahrungen in der Gruppe verhelfen zum Rückgang hypochondrischer Ängste und somatischer Krankheitsattributionen.
  • Patientinnen und Patienten ermutigen sich gegenseitig, tauschen Erfahrungen aus und stärken ihr Selbstmanagement. Durch diese Gruppenerfahrungen finden viele Teilnehmer einen letztlich gesünderen Umgang mit ihren Krankheitssymptomen.
  • Psychoedukative und psychohygienische Elemente lassen sich im Gruppensetting effizient vermitteln, da mehrere Patientinnen gleichzeitig behandelt werden können.
  • Fixe Gruppentermine senken die Zahl von Notfallsitzungen und bereichern die Arzt-Patientbeziehung ungemein, was kostspielige Abklärungen oder „doctor shopping“ vermindern kann.
  • Ziel ist es durch die frühe Identifizierung von Risikopatienten (z. B. Patienten mit häufigen Arztwechseln, allgemeinen Befürchtungen, Erschöpfung, Schonverhalten und beginnenden Beeinträchtigungen im Alltag) mit der Gruppenarbeit eine Chronifizierung und Verschlechterung der Symptomatik mit bleibenden Funktionsverlusten zu verhüten
  • In speziellen Fällen und bei Akzeptanz des Patienten kann die Gruppenarbeit eine Vorbereitung für eine psychotherapeutische Einzel-Behandlung darstellen
  • Nicht zu unterschätzen ist auch die präventive Wirkung für uns Ärztinnen und Ärzte: Regelmässige Gruppensitzungen, die mit Entspannungsübungen kombiniert werden, sind auch für uns eine willkommene Burnout-Prophylaxe.